Jourvie - Nadine Stammen ist Informations- & Interfacedesignerin 🍉

Jourvie

Jourvie ermöglicht schnell und diskret das AusfĂŒllen von Essprotokollen und unterstĂŒtzt somit PatientInnen, die aufgrund einer Essstörung in Therapie sind.

WĂ€hrend der Behandlung mĂŒssen PatientInnen bis zu dreimal am Tag ausfĂŒllen wann, wo und mit wem sie gegessen haben. Einen wichtigen Aspekt spielt dabei vor allem die persönliche GefĂŒhlslage, die ebenfalls protokolliert wird. Durch das Erfassen dieser Daten können ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum in der Therapie Verhaltensmuster identifiziert und gezielt an diesen gearbeitet werden.

Die GrĂŒnderin Keti litt selbst an einer Essstörung und kam auf die Idee eines digitalen Essprotokolls, da sie ihre Essprotokolle nur unregelmĂ€ĂŸig ausfĂŒllte. Auch wenn sie daran dachte, fĂŒhlte sie sich beim AusfĂŒllen in der Öffentlichkeit, etwa im CafĂ© oder vor Freunden, unwohl.

Die Herausforderung

Als ich begann mich mit Jourvie zu beschĂ€ftigen, befand sich die App noch in einer Beta-Version fĂŒr Android. In diesem Stadium war ein Ziel der App zwar erreicht: PatientInnen konnten auf einfachere und diskrete Weise ihr Essprotokoll ausfĂŒllen. Allerdings bestand die App zu diesem Zeitpunkt lediglich aus einem 1:1 ĂŒbernommenen digitalen Formular, das mit Standard-Elementen nachgebaut wurde.

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Die erste Version von Jourvie

Die Umsetzung

Am Anfang stand die Auseinandertzseung mit dem Anwendungskontext und den Nutzerszenarien. Ein großer Vorteil war, dass Keti ihre Erfahrungen einbringen konnte.

Über Essstörungen

Wann wird die App benutzt?
Im Idealfall soll das Essprotokoll tĂ€glich bis zu drei Mal jeweils nach jedem Essen ausgefĂŒllt werden. Konkret bedeutet das:
Morgens nach dem FrĂŒhstĂŒck womöglich in Zeitnot zu Hause oder unterwegs zur Schule, Uni oder Arbeit. Nach dem Mittagessen zu Hause, in der Kantine, der Mensa oder Restaurant gegebenenfalls in Gesellschaft und nach dem Abendessen unterwegs mit Freunden oder zu Hause mit der Familie.

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Im nÀchsten Schritt stand das Kernelement im Fokus, in die die gesammelten Erkenntnisse primÀr einflossen: das Essprotokoll.

Der kĂŒhle Formular-Charakter passte nicht zur Zielgruppe. Durch die zahlreichen Freitextfelder und Scrolling entstand bei den NutzerInnen das GefĂŒhl, das Formular habe kein Ende.

Das Ergebnis

Die Formularinhalte wurden neu gruppiert und in sechs Abschnitte unterteilt. Dabei kommen ein Farbleitsystem und ein Fortschrittsbalken zum Einsatz. Die Freitextfelder wurden teilweise durch Multiple Choice-Antwortformate ersetzt. All das verstĂ€rkt beim Nutzer das GefĂŒhl schneller voran zu kommen.

Um zu vermeiden, dass NutzerInnen das GefĂŒhl bekommen im Protokoll verloren oder gefangen zu sein, gibt es die Möglichkeit das AusfĂŒllen abzubrechen oder einen Schritt zu ĂŒberspringen. Diese Funktionen sind deutlich im oberen Bereich platziert und somit sofort zu finden.

Die wohl auffĂ€lligste VerĂ€nderung ist jedoch die persönliche Ansprache und die konkreten Fragen durch diese wir den trockenen Formular-Charakter losgeworden sind. Schließlich freuen sich die Nutzer ĂŒber ein Bitte, Danke oder ein paar motivierende Worte.

Die App enthĂ€lt nun auch die Möglichkeit unabhĂ€ngig vom Protokoll die eigene GefĂŒhlslage zu dokumentieren, sowie Tipps fĂŒr Ablenkungsstrategien, die dabei helfen sollen negative Stimmungen in positive Gedanken zu wandeln.

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Zu guter Letzt

Das Team von Jourvie entwickelt derzeit weitere FunktionalitĂ€ten wie die Einbindung der TherapeutInnen, ein Kalender- und Benachrichtigungssystem. Mittlerweile ist Jourvie ĂŒbrigens eins der Leuchtturmprojekte der Google Impact Challenge und bekam viele positive Bewertungen im Google Play Store.

Jahr 2014
Kunde Jourvie
Aufgabe Konzeption, Informationsarchitektur, Design
Team Ekatharina Karabasheva, Andreas Marek
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NĂ€chstes Projekt
Open Knowledge Foundation Deutschland